Im Folgendem werden die Anspruchsgruppen an Fernbusliniengesellschaften definiert sowie deren Interessen herausgearbeitet, ihre Beziehungen zum Verkehrsträger untersucht sowie die Finanzierung und die unterschiedlichen Besitzverhältnisse analysiert.

Abbildung: Beziehungen zwischen Stakeholdern und Fernbusliniengesellschaften

Die Abbildung zeigt wie Fernbusliniengesellschaften in ein großes System von Interessensgruppen eingebettet sind. Im Folgenden wird auf die einzelnen Interessengruppen nämlich Fremdkapitalgeber, Passagiere, Arbeitnehmer, Dienstleister und Kooperationspartner sowie die Gesellschaft eingegangen.

Beziehungsgeflecht

Nachdem die Anspruchsgruppen sowie deren Interessen analysiert wurden, werden im nächsten Schritt die Interessen der Fernbusanbieter in Beziehung zu deren der Stakeholder gesetzt.
Für die Fernbuslinienanbieter selbst ist eine Maximierung von Gewinn und Umsatz sowie ein Ausbau des Streckennetzes entscheidend. Sie erwarten von ihren Kapitalgebern die Bereitstellung von finanziellen Mitteln. Von seinen Passagieren versprechen sich die Unternehmen Umsatz.
Da Busunternehmen im Auftrag der Fernbuslinienanbieter fahren, erwarten die Unternehmen vor allem eine regelkonforme sowie zuverlässige Übernahme der Transportleistung. Als Gegenleistung werden seitens FlixBus Navigationsgeräte und Telefon gestellt, außerdem ist das Unternehmen für die Netzplanung sowie den Kundenservice zuständig, ebenso wie für den Onlinevertrieb, Marketing und Marktforschung und sie legen verbindliche Qualitätsstandards für die Busunternehmen fest.
Seinen Vertriebspartnern stellt FlixBus die Verbindungen zu Verfügung, um sie in Pauschalreisepakete verkaufen zu können. Für den Fernbuslinienanbieter selbst besteht das Interesse am zusätzlichen stationären Vertrieb der Tickets in Kombination mit persönlicher Beratung für die Kunden.

Weiterhin bietet FlixBus an Bord der Busse Werbeflächen für Unternehmen an, um die meist junge Zielgruppe, die in den Fernbuslinien unterwegs sind, ansprechen zu können. Als weitere Kooperationsmöglichkeit bietet das Unternehmen eine Integration eines Buchungstools von FlixBus für Internetseiten von Unternehmen an, wodurch diesen u.a. eine Steigerung des Absatzes und die kross-mediale Kundenansprache versprochen wird. Mit den Innovationspartnern konnte das Unternehmen ein eigenes Buchungssystem entwickeln. Der Betrieb sowie die Entwicklung des Systems sollen die Wettbewerbsfähigkeit unterstützen. Die Partner unterstützen das Unternehmen dabei. Der Staat finanziert die Infrastruktur für Verkehrsträger, da die Fernbusse auf öffentlichen Straßen unterwegs sind. Außerdem ist für die Fernbusanbieter die Akzeptanz in der Bevölkerung von großer Bedeutung, um ein positives Image des Unternehmens zu verbreiten. Den Reisenden soll eine alternative Möglichkeit des Transportes aufgezeigt werden, wobei nicht nur der günstige Preis als Anreiz geboten, sondern auch eine hohe Qualität des Services kommuniziert wird. Beispielsweise wollte das ehemalige Unternehmen Mein-Fernbus durch die grüne Lackierung ihrer Busse vor allem ein umweltfreundliches Zeichen setzen.

Finanzierung und Besitzverhältnisse

Die immer größer werdende Marktmacht der Fernbusliniengesellschaften wurde mit der Liberalisierung des Fernbusmarktes in Deutschland im Jahr 2013 begründet. Sie bieten seitdem eine kostengünstige Alternative zur Deutschen Bahn. Besonders Marktführer FlixMobility (Marktanteil: 91,6%) genießt in der Zielgruppe der Schüler und Studenten ein hohes Ansehen und bietet eine günstige Alternative zur Deutschen Bahn, indem das Unternehmen Verbindungen zwischen Großstädten anbietet. Gegründet wurde das Start-Up von Jochen Engert, André Schwämmlein und Daniel Krauss. Vor der Liberalisierung war es Fernbusgesellschaften untersagt, Strecken zu befahren, die bereits von der Deutschen Bahn angeboten werden. Das Start-Up betreibt aktuell täglich 25.000 Verbindungen in 27 Ländern und ist damit im Besitz des größten Fernbus-Streckennetzes in Europa.
Allgemein lassen sich im Fernbusmarkt vier Unternehmensarten feststellen, darunter fallen Start-Ups, z.B. FlixBus, die häufig branchenfremd in den Markt einsteigen. Deren Finanzierung bleibt meist unbekannt. Außerdem betreiben große Fernbusanbieter wie u.a. National Express Linienfernverkehr, ebenso branchenfremde Anbieter wie die Kooperation von ADAC und der Deutschen Post und zuletzt kleine und mittlere Busunternehmen, die selbst kleine Streckennetz betreiben. FlixMobility konnte fast alle Konkurrenten aufkaufen, sodass eine Konsolidierung im Markt stattfand. Als Konkurrenz sieht das Unternehmen vor allem die Deutsche Bahn, Inlandsflüge und den Individualverkehr. Die Gründer des Unternehmens besitzen ein Drittel, ein weiteres hält Investor General Atlantic (seit 2014 beteiligt), 15% Holtzbrinck Ventures, 10% Silverlake und 5% Daimler. Die restlichen Anteile sind im Besitz von kleineren Investoren. Das Unternehmen finanziert sich laut eigenen Angaben aus dem laufenden Geschäft. Die folgende Grafik zeigt die Anteile der Eigentümer des Unternehmens.

Anteilseigner an Flixbus



Im Fernbuslinienverkehr in Deutschland hat das Unternehmen bereits eine Monopolstellung inne und bietet seit März 2018 auch intermodale Verbindungen durch Fernzüge an. Besonders stehen beim Betrieb von Fernstrecken Synergieeffekte im Vordergrund. Die Fahrpläne von Fernbussen und den neuen Zügen werden aufeinander abgestimmt, um dieses Geschäftsmodell langfristig erfolgreich betreiben zu können. Ähnlich wie bei den Bussen erfolgt der Zugverkehr des Unternehmens durch Kooperationen, in diesem Fall mit den privaten Zugbetreibern Locomore und Bahntouristikexpress. Das Streckennetz wird allerdings langsamer aufgebaut werden als bei den Fernbussen, da die Strecken erst zugeteilt werden müssen.

Wie bereits erwähnt, betreibt das Unternehmen keinen der Busse selbst, auch die nötigen Investitionen tragen die Busunternehmen selbst. Für die im Auftrag fahrenden Privatunternehmen bietet diese Möglichkeit oft die einzige Alternative, da viele Kunden aufgrund der niedrigen Preise mit FlixBus fahren. FlixBus selbst ist für die Internetplattform sowie das Marketing zuständig. Aufgrund des schnellen Streckenausbaus konnte sich das Unternehmen gegen die Konkurrenz durchsetzen. 25% der generierten Umsätze verbleiben bei FlixBus, der Rest kommt den Busunternehmern zugute.

Autor

Autor dieser Seiten und Unterseiten ist Kathrin Ebner. Sie studiert Tourismus-Management an der Hochschule Kempten. Sie spezialisierte sich in ihrem Studium auf die Schwerpunkte Management von Verkehrsträgern sowie Kunden- und Qualitätsmanagement.