Im Folgendem werden die Anspruchsgruppen an Linienfluggesellschaften definiert sowie deren Interessen herausgearbeitet, ihre Beziehungen zum Verkehrsträger untersucht sowie die Finanzierung und die unterschiedlichen Besitzverhältnisse analysiert.

Abbildung: Beziehungen zwischen Stakeholdern und Linienfluggesellschaften

Die Abbildung zeigt wie Linienfluggesellschaften in ein großes System von Interessensgruppen eingebettet sind. Im Folgenden wird auf die einzelnen Interessengruppen nämlich Fremdkapitalgeber, Passagiere, Arbeitnehmer, Dienstleister und Kooperationspartner sowie die Gesellschaft eingegangen.

Beziehungsgeflecht

Nachdem die Stakeholdergruppen analysiert und deren Interessen aufgezeigt wurden, soll im Folgenden auf die Beziehungen zwischen den einzelnen Anspruchsgruppen und den Linienfluggesellschaften eingegangen werden. Dafür werden die Interessen der Verkehrsträger selbst definiert.

Für Linienfluggesellschaften gilt, dass zum Kerngeschäft der Transport von Personen und Gütern gehört und die Wartung und Instandhaltungsarbeiten selbst getätigt werden, außerdem werden Kundenbindungsprogramme angeboten. Weiterhin soll die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gewährleistet werden, indem das innerbetriebliche Qualitätsmanagement durch engagierte Mitarbeiter implementiert und gelebt wird oder verstärkt Mitarbeiter am Kapital beteiligt werden. Hier endet die Dienstleistungsgrenze der Fluggesellschaften.

Im Gegenzug zu der Information und Kooperation seiner Fremdkapitalgeber erwartet eine Fluggesellschaft von ihnen die Versorgung mit finanziellen Mitteln, um den Flugbetrieb gewährleisten zu können. Von seinen Passagieren wiederum erhofft sich eine Linienfluggesellschaft die Generierung von Umsatz und die Kundenbindung mittels Vielfliegerprogramme. Letzteres ist vor allem durch einen starken Preisdruck in der Luftverkehrsbranche von großer Bedeutung. Festgelegte Regelungen sorgen bei der Personalauswahl für bestimmte Voraussetzungen, die potenzielle Kandidaten erfüllen müssen, um dem Kompetenzanspruch der Fluggesellschaften zu genügen. Für die Inbetriebnahme eines neuen Langstreckenfluges werden bis zu 400 Mitarbeiter benötigt, darunter auch Piloten und Flugbegleiter. Außerdem zählt das stationäres Personal für die Arbeiten am Boden zu den Mitarbeitern.

Als wichtigster Kooperationspartner gelten Flughäfen. Die Fluggesellschaften erwarten die Bereitstellung der Infrastruktur, die Abfertigung der Passagiere und die Vergabe von Rechten für Starts und Landungen der Flugzeuge von den Fluggesellschaften. Flughäfen stellen die Grundvoraussetzung für den Flugbetrieb dar. Ihre Infrastruktur muss leistungs- und funktionsfähig sein.

Von ihren Lieferanten erwarten die Fluggesellschaften die zuverlässige Lieferung der notwendigen Güter für den Flugbetrieb. Die Reisebüros und Reiseveranstalter sollen den Fluggesellschaften höhere Gewinne einfahren sowie einen zusätzlichen Vertriebskanal bieten, da sie eine große Anzahl von Plätzen einkaufen. Um ihre Passagiere zu ihrem Flug transportieren zu werden, bieten Linienfluggesellschaften im Vorfeld der Reise verschiedene Angebote an. So werden Kooperationen mit Autovermietungen oder Bahnen eingegangen. Den Passagieren soll so eine Zusatzleistung und durchgängige Servicekette angeboten werden, um ihn zufrieden zu stellen und zu weiteren Buchungen zu verleiten. Die Mitgliedschaft in Flugallianzen ist dahingehend attraktiv, da für die LFG die Möglichkeit zur Auslastungssteigerung ihrer Flugzeuge haben, außerdem können Kooperationen, Kostendegressionseffekte und Zugang zu bisher nicht erschlossenen Märkten in Anspruch genommen werden.
Die Regierung stellt die Infrastruktur zur Verfügung sowie verschiedene Maßnahmen zur Förderung. Die Aufsichtsbehörden kontrollieren die Infrastruktur und gewähren einen optimalen Ablauf. Die Flugsicherung soll die Sicherheit des Luftraumes kontrollieren.

Finanzierung und Besitzverhältnisse

Linienfluggesellschaften wurden in Europa früher durch eine staatliche Mehrheitsbeteiligung geführt. Dadurch wurde der Heimatmarkt geschützt und das Streckennetz wurde nach den Wünschen der Geschäftsreisenden gestaltet. Die staatlich geführten Fluggesellschaften wurden im Laufe der Zeit zumeist in privatwirtschaftliche Gesellschaften umgewandelt. Manche dieser Fluggesellschaften befinden sich allerdings teilweise noch in staatlicher Hand und profitieren somit von staatlichen Subventionen. Einige bedienen Nischenmärkte oder fungieren als Zubringer (entweder als Tochtergesellschaft, z.B. Lufthansa City Line, oder durch entsprechende Verträge mit Linienfluggesellschaften). Heute werden Linienfluggesellschaften entweder staatlich oder in Form einer Aktiengesellschaft geführt. 

Um notwendige Investitionen in neue Fluggeräte, Infrastruktur sowie der Produkte zu Luft und zu Lande tätigen zu können, wird der eigene Cashflow genutzt. Die wichtigsten Finanzierungsinstrumente sind Flugzeugfinanzierungen, Schuldscheindarlehen oder Anleihen, die börsennotiert sind. Linienfluggesellschaften tätigen vor allem Sachinvestitionen (z.B. Maschinen), finanzielle (z.B. Beteiligungen) oder immaterielle Investitionen (z.B. Lizenzen). Durch die Besonderheiten der Dienstleistungsbranche, müssen im Vorfeld Investitionen getätigt werden, um überhaupt erst ein Produkt anbieten zu können. Daher nehmen die Überlegungen über die Finanzierung im Vorfeld einen großen Stellenwert ein.

Autor

Autor dieser Seiten und Unterseiten ist Kathrin Ebner. Sie studiert Tourismus-Management an der Hochschule Kempten. Sie spezialisierte sich in ihrem Studium auf die Schwerpunkte Management von Verkehrsträgern sowie Kunden- und Qualitätsmanagement.